Wie mir Variablennamen für SPS in Kinco HMIware viel Zeit und Nerven sparen

19. Juni 2017   Steffen
  Kinco, FAQ

Nie wieder Adresslisten mit Nummern

An einer Sache bin ich in meinen frühen HMI-Projekten manchmal verzweifelt. Ich bin mit den numerischen Variablenadressen oft durcheinander gekommen oder musste immer einen Ausdruck der Variablenliste neben mich legen, um noch zu wissen, welche Variable für die Visualisierung eigentlich in welcher Speicheradresse abgelegt ist. Das liegt daran, dass die meisten SPS, mit denen ich arbeite, noch mit numerischen Adressen arbeiten. Wenn ich Projekte für Kinco HMI bearbeite, dann meist mit den SPS von Thinget, Kinco oder mit Modbus-Teilnehmern. Die Variablenadressen dieser SPS liegen meist in bestimmten Speicherbereichen wie %M, %D oder 4x für Modbus und werden dann über eine numerische Adresse angesprochen. Diese Form der Speicherverwaltung über Adressen ist zwar weit verbreitet, aber im HMI-Projekt meist total unübersichtlich. Dazu kommt, wenn ich eine Adresse aus der SPS in mehreren HMI-Objekten benutze und diese dann ändern will, dann muss ich wie ein Verrückter durch die Objekte klicken und die Adresse ersetzen. Das nervt und kostet unnötig Zeit und kommt leider immer mal wieder vor. Irgendwann habe ich die Address Tags in Kinco HMIware für mich entdeckt, mit denen ich selbstsprechende Variablennamen für das Projekt vergeben kann. Damit wurden Projekte für mich übersichtlicher.

Address Tags - was ist denn das?

Apropos selbstsprechend, mir war bei der Bezeichnung "Address Tag" in Kinco HMIware nicht sofort klar, was damit gemeint war. Allerdings klicke ich, wenn ich Zeit habe, gern alle Funktionen in einer Software durch, um zu sehen, wofür sie gut sind. Ich bin halt sehr neugierig. Deshalb war mir nach dem Anklicken schnell klar, wozu diese Tags gut sind, vor allem, weil ich das Häkchen Address Tag in den HMI-Elementen schon oft gesehen hatte. Allerdings war es bei mir bisher immer ausgegraut. Ausgegraute Schaltflächen stacheln meine Neugier immer besonders an, weil ich dann weiß, dass ich irgendwo noch etwas finden kann, das sie aktiviert. Das war auch hier der Fall, sobald ich den ersten "Address Tag" angelegt hatte, konnte ich das Häkchen in passenden HMI-Objekten wie Schaltern oder Eingabefeldern aktivieren. Aber vorher noch mal ein Schritt zurück.

Mit dem Address Tag lässt sich für eine numerische Adresse in HMIware ein selbstsprechender Name vergeben. Dazu gebe ich im Feld Tag Name den entsprechenden Namen ein. Es müssen nicht immer so klingende Bezeichnungen wie "Sollfrequenz Umrichter Hauptantrieb Foerderer 1" sein. So ein Name funktioniert allerdings, wann man so ausführlich sein möchte. Manchmal reicht auch Pumpe1 oder Vorwaerts. Umlaute akzeptiert mein HMIware für Variablennamen übrigens auch, ich bin aber nicht sicher, was für ein Zeichen in nicht deutschen Windows-Versionen daraus werden würde, deshalb schreibe ich meist oe für ö etc.

Address Tags kann man übrigens sowohl für Adressen in der SPS als auch für interne Adressen im HMI zum Beispiel im Speicherbereich LB (interne Bits) oder LW (interne Words) nutzen. Die internen Speicherbereiche des HMI nutze ich in Projekten meist viel für verschiedene HMI-interne Steuerungslogiken wie das Sperren von Buttons oder Trigger für Makros etc. Da ist es sehr nützlich, wenn ich mir dazu nicht die Adressen merken muss.

Meine Neugier war geweckt: Wo kann ich Address Tags nutzen?

Nach der Anlage meines ersten Variablennamens bin ich übrigens erst mal durch HMIware getigert und habe mir die Elemente angesehen, für die ich Address Tags nutzen kann. Das sind so ziemlich alle Elemente, zum Beispiel Schalter und Lampen (für angelegte Bit-Adressen) oder Numeric Inputs für Register. Früher konnten Macros noch keine Address Tags nutzen, das war ärgerlich. Kinco hat das allerdings in einer der letzten Versionen von HMIware verbessert, nun lassen sich auch in Makros Adressen mit Address Tags einbinden. Auch in Events, Alarmen und im Data Logger kann man die Adressen nutzen, genau wie in den Funktionen der Timer. Leider noch nicht im Trigger-Register (Bit) der Timer, wenn man diese Ereignisbasiert über ein Bit aktivieren will. Dazu muss man sich noch die Adresse merken. Vielleicht verbessert Kinco das irgendwann auch an dieser Stelle, aber damit kann ich bisher leben. Insgesamt war ich sehr positiv überrascht, an wie vielen Stellen sich die Address Tags nutzen lassen.

Import / Export sind überraschend praktisch

Positiv überrascht war ich noch von einer anderen Sache. Das Anlegen von neuen Adressen kann nämlich recht aufwendig werden, wenn man sich immer durch die einzelnen Felder und Tasten der Address Tag Verwaltung in der Software klicken muss. Eine wirklich sehr zeitsparende Möglichkeit viele Variablen anzulegen ist deshalb der Export und Import von Adressen. Per Klick auf Export könnt ihr die komplette Adressliste als CSV-Datei (kommagetrenntes Dateiformat) exportieren und zum Beispiel in Excel oder LibreOffice bearbeiten. Da ich manchmal ein echter leidgeprüfter Excelartist bin, kann ich damit sehr schnell sehr viele Variablen gleicher Art erstellen, zum Beispiel nummerierte Sensorlisten. Auch Transformationen von Variablenlisten anderer Software im CSV-Format sind so sehr einfach möglich, das spart echt Zeit.

Variablennamen machen das Projekt auch für die Kollegen und Kunden verständlicher

Ein positiver Nebeneffekt der Variablennamen ist mir erst später bewusst geworden. Nachdem ich angefangen hatte, in Projekten erst einmal Variablennamen einzuführen, war es viel einfacher Projekte von Kollegen und Partnern weiter bearbeiten zu lassen. Vorher habe ich mir das oft dreimal überlegt, Projekte an sie weiter zu geben, da man erst mal die komplette Adressliste erklären musste und die Kollegen dafür echt lange gebraucht hätten, zu verstehen, wie Programme funktionieren. Die Fehleranfälligkeit wäre auch sehr hoch gewesen, deshalb habe ich es meist gar nicht versucht, Arbeit abzugeben, sondern eher Projekte selber zu Ende gemacht. Wenn viel nebenbei zu tun war, hatte das allerdings dadurch regelmäßig viel länger gedauert, als mir lieb war. Mit Variablennamen geht die Einarbeitung in neue Projekte schneller, so dass ich eher bereit bin, loszulassen und darauf zu vertrauen, dass am Ende alles funktioniert. Variablennamen in HMI-Projekten haben meine Arbeit wirklich ein Stück weit entspannter gemacht, der Initialaufwand für die Anlage lohnt sich auf jeden Fall. Meist beginne ich neue Projekte inzwischen mit dem Anlegen der Variablen.

Euer spstiger

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